Die Hitzewelle hat Offenbach zugesetzt. Die Linke kritisiert die verspätete Einrichtung von Hitzeschutzmaßnahmen und mahnt mehr Tempo und Entschlossenheit bei Klimaschutz und Klimaanpassung an.
Fraktionsvorsitzende Gizem Erinç-Çiftçi erklärt: „Der Einsatz der Mitarbeitenden in Verwaltung und Stadtservice war beeindruckend und verdient Anerkennung. Aber er war vor allem eins: hektisch improvisiert. Offenbach hat seit 2020 einen Hitzeaktionsplan, der ausdrücklich vorsieht, dass sich die Stadt jedes Frühjahr auf die Hitzesaison vorbereitet. Genau das ist offenkundig nicht in ausreichendem Maß passiert – sonst hätte der Krisenstab nicht erst getagt, als die Hitzewelle längst lief, und kühle Orte wären nicht auf den letzten Drücker organisiert worden. Die Informationen zum Schutz vor der Hitze hätten viel mehr Menschen erreichen können, wenn sie deutlich früher kommuniziert worden wären. Gute Maßnahmen helfen nur, wenn die Menschen rechtzeitig von ihnen wissen.“
Die Einrichtung öffentlicher Orte zur Abkühlung ist kein neues Instrument: Die Stadtverordnetenversammlung hatte ihre Einrichtung auf Antrag der Linken bereits vor zwei Jahren beschlossen. „Zwei Jahre Vorlauf, ein bestehender Aktionsplan mit jährlichem Vorbereitungszyklus – und trotzdem laufen wir der Hitze hinterher, statt ihr vorzugreifen. Das ist keine Frage fehlenden Wissens, sondern fehlender Priorität“, so Erinç-Çiftçi.
Der zwischenzeitlich in Offenbach ausgerufene Wassernotstand weist auf ein weiteres Problem hin: „Längere und häufigere Hitzeperioden setzen auch die Infrastruktur der Wasserversorgung der Städte und Gemeinden unter Druck. Die Förderkapazität der technischen Anlagen konnte mit dem deutlich erhöhten Wasserverbrauch nicht Schritt halten. Dass es nun bereits bei der ersten Hitzewelle dieses Sommers zu einem Engpass gekommen ist, ist ein alarmierendes Zeichen. Dass eine solche Hitzewelle mehr Verbrauch zur Folge hat, ist nicht überraschend, und auch wenn Mahnungen zum Wassersparen richtig sind, ist der Verbrauch wohl eher weniger auf unnötige Autowäschen als auf die notwendige Abkühlung der Menschen zurückzuführen. Es braucht jetzt dringend Investitionen in eine bessere Infrastruktur und ein optimiertes Wassermanagement – aber auch ein kritisches Hinterfragen, wie viel Wachstum eine Region vor dem Hintergrund des Klimawandels überhaupt verkraften kann.“
Erinç-Çiftçi richtet den Blick nach vorn: „Diese Hitzewelle war ein Weckruf. Extreme Hitze wird zur Normalität – mit all ihren negativen Konsequenzen für Mensch, Tier, Umwelt und Infrastruktur. Wir sind in den Städten nicht ausreichend auf diese extremen Temperaturen vorbereitet. Wir erwarten von Schwarz-Rot in Offenbach einen klaren, verbindlichen Fahrplan für Klimaschutz und Klimaanpassung statt Krisenmanagement im Nachhinein. Und der Bund muss die Kommunen bei den nötigen Investitionen endlich finanziell in die Lage versetzen, vorzusorgen – statt beim Klimaschutz auf die Bremse zu treten. Der rückwärtsgewandte Kurs der CDU im Bund darf sich nicht auf Offenbach ausweiten. Diese heftige Hitzeperiode sollte allen Relativierern und Ausbremsern in der Klimafrage eine Mahnung sein.“
