Rechenzentren regulieren – Klimaschutz stärken

Pressemitteilung des Fraktionsvorsitzenden Sven Malsy

Im Offenbacher Osten entsteht ein gigantisches Rechenzentrum. Die Stadt hat es bisher versäumt, dem Betreiber ausreichende Umweltvorgaben zu machen. Der OB verteidigt jetzt dieses Versäumnis. Dazu erwidert der Fraktionsvorsitzende Sven Malsy:

„Unsere Fraktion will Rechenzentren zu mehr Klimaschutz verpflichten. Wir haben bereits im November 2020 einen Antrag an die Stadtverordnetenversammlung gestellt, der sicherstellen sollte, dass Rechenzentren in Offenbach mit 100% Ökostrom und Abwärmenutzung betrieben werden. Dadurch hätte man auch den Betreiber CloudHQ zu mehr Umweltfreundlichkeit verpflichten können und hätte klare Regeln für alle Rechenzentren geschaffen.

Rechenzentren sind sehr energiehungrig. Die Serverfarmen mit ihren vielen Prozessoren verbrauchen für ihre Rechenleistung sehr viel Strom. Hinzu kommt, dass die Server heruntergekühlt werden müssen, um optimal zu laufen. In der Stadt Frankfurt verbrauchen die Rechenzentren schon mehr Strom als alle Frankfurter Haushalte.

Es wäre einfach, die Betreiber zur Verwendung von 100% Ökostrom zu verpflichten. Dass es möglich ist, beweist das Rechenzentrum maincubes, das ausschließlich mit Ökostrom betrieben wird. Auch für die Abwärmenutzung gibt es Optionen. Das Netzwerk energieeffiziente Rechenzenten schlägt in seinem Whitepaper die Nutzung der Abwärme für ein Schwimmbad oder für lokale Gewächshäuser vor. Auch die Einspeisung in ein Nahwärmenetz wird als zielführend erachtet.

Offenbachs Verhandlungsposition ist besser, als die Stadtverwaltung behauptet. Den Betreibern geht es in erster Linie um die Nähe zum Internetknoten DE-CIX in Frankfurt. Sie können nicht einfach in die Wetterau ziehen, wenn Offenbach die Auflagen verschärft. Die Flächen, auf denen die Rechenzentren hier in der Region bauen können, sind zudem sehr begrenzt. Die Stadt Offenbach hat also keine schlechten Karten in den Verhandlungen und kann eigene Forderungen stellen. Wir müssen in Offenbach nicht jeden Investor hofieren, wir haben auch selbst einiges zu bieten.

In unserer Energie- und Treibhausgasbilanz gibt es klare Vorgaben für den Klimaschutz. Offenbach hat sich vorgenommen, alle fünf Jahre 10% weniger CO2 zu emittieren. In der letzten Fortschreibung wurde klar deutlich, dass alle städtischen Akteure konsequent zu mehr Klimaschutz angehalten werden müssen. Rechenzentren sind übrigens auch in der vierten Fortschreibung der Energie- und Treibhausgasbilanz als ein Schwerpunkt festgehalten: »Besondere Berücksichtigung von Energiestandards bei Errichtung und Betrieb von Rechenzentren: Nutzung aller rechtlichen und politischen Instrumente, um eine emissionsarme Anlagentechnik und deren Betrieb zu gewährleisten.« Wir haben lange nicht alle Instrumente ausgeschöpft. Das kann Offenbach besser. Die Ampelkoalition fährt den Klimaschutz sehenden Auges gegen die Wand.

Wir wissen, dass die städtischen Umweltziele vor allem deshalb erreicht wurden, weil es keine Industrie mehr auf dem Clariant-Gelände gibt. Jetzt siedeln wir – und das ist auch richtig so – die Samson AG dort an. Der Offenbacher Energieverbrauch wird dadurch natürlich wieder drastisch ansteigen. Hinzu kommt das enorme Wachstum der Stadt. Es wird sehr schwer, unsere selbstgesetzten Klimaziele so zu erreichen. Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um CO2 einzusparen. Die Klimafreundlichkeit der Rechenzentren ist ein sehr großer Hebel – wir müssen ihn nur ziehen. Offenbach braucht den Mut, zu den eigenen Zielen und Stärken zu stehen. DIE LINKE kämpft dafür, dass jeder rote Teppich, den wir Investoren ausrollen sozialverträglich, barrierefrei und von grüner Kordel eingefasst ist.“